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Jahrhunderte bis zur Natürlichkeit

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Jahrhunderte bis zur Natürlichkeit

Drei Ziele, um die Macht des Konsumsparadigmas zu brechen.

Die Experten des US-Umweltinstituts Worldwatch geben sich beim Ringen um den geforderten Wertewandel weg vom Konsumzwang hin zu Nachhaltigkeit keinen Illusionen hin: Der Prozess werde Jahrzehnte, wenn nicht Jahrhunderte dauern.

Ausgangspunkt für Worldwatch ist, dass der immer mehr zunehmende Konsum zwar mittlerweile als natürlich angesehen werde. Dass sich Menschen heute überwiegend über den Konsum definieren, sei aber in Wahrheit selbst ein über Jahrzehnte entstandenes kulturelles Phänomen, wird in der Studie betont.

Ein Umdenken in Industrie, Marketing, Medien und öffentlichen Institutionen wie Schulen allein wird laut Worldwatch für die nötige Wende nicht ausreichen.

In allen Lebensbereichen
Denn der Konsumismus beeinflusst längst alle Lebensbereiche, selbst Traditionen (die Kosten für Hochzeiten im Westen etwa explodierten) und Werte. Finanziell gut dazustehen wurde zu einem Wert an sich – viel wichtiger als ein gutes Leben zu führen, so die Studie.

Zudem werde die Bevölkerung selbst bei effektiven Maßnahmen zur Eindämmung des Wachstums nochmals um mehr als eine Milliarde zunehmen, bevor sie ihren Höhepunkt erreicht.

Doppelter Wertewandel
Eines der Hauptthemen müsse die “ökologische Wiederherstellung” sein: Demnach müsse es normal und “natürlich” werden, dass Menschen den Wert und Sinn des Lebens durch ihren Beitrag, den sie zur Regenerierung der Erde leisten, definieren.

Eine gerechtere Verteilung der Ressourcen zwischen den Reichen und Armen müsse demnach ein weiterer wichtiger Wert sein, so die Autoren. Sie verweisen auf Untersuchungen, wonach es in Gesellschaften, in denen das Wohlstandsgefälle vergleichsweise geringer ist, auch weniger Gewalt, höhere Literalität, bessere Gesundheit, weniger Fettleibigkeit und weniger Teenager-Schwangerschaften gebe.

Drei Ziele
Darüber hinaus fordert Worldwatch drei konkrete Ziele ein. Erstens müsste der Konsum gesundheitsschädlicher Produkte aktiv bekämpft werden: Junk Food, Tabakprodukte, Alkohol, Wegwerfprodukte und Zersiedelung (mit langen Pendelstrecken als Folge) etwa sollten durch Regulierung und andere Maßnahmen verhindert werden.

Privatkonsum müsse außerdem verstärkt durch öffentlichen Konsum und öffentliche Dienste ersetzt werden. Erwähnt werden dabei unter anderem gemeinsame Gärten von Siedlungen und Vierteln, in denen die Bewohner gemeinsam etwa Gemüse und Obst anbauen und ihre Freizeit verbringen.

Vor allem aber müsse der Transport so umorganisiert werden, dass möglichst viele Wege zu Fuß, Rad oder öffentlichen Verkehr zurückgelegt werden können. Der Straßenverkehr trage weltweit 17 Prozent zur CO2-Emissionen bei und 1,3 Millionen Menschen werden dadurch getötet.

Drittens fordert das Umweltinstitut, dass nicht verzichtbare Produkte so produziert werden müssten, dass sie eine möglichst lange Lebensdauer haben.

Langer Atem
In 100 oder 200 Jahrhunderten, so die Hoffnung der Autoren, würde der Prozess der Umwertung der Werte vom Konsumismus zur Nachhaltigkeit weltweit so internalisiert sein, dass der sorgsame Umgang mit Ressourcen normal erscheint und nicht deren Verschwendung. Bis dahin aber müssten “kulturelle Pioniere” Institutionen dazu drängen, die Wertewende gezielt anzustoßen und zu beschleunig

Quelle: orf news (19.3.2010)

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